SG Ready einfach erklärt: Die 4 Betriebszustände Ihrer Wärmepumpe - Solar Hamm

Ratgeber Wärmepumpe & PV

SG Ready einfach erklärt:
Die 4 Betriebszustände Ihrer Wärmepumpe

SG Ready steht für "Smart Grid Ready" und bezeichnet eine standardisierte Schnittstelle, über die Wärmepumpen von außen gesteuert werden können. Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, kann damit den selbst erzeugten Solarstrom gezielt zum Heizen und zur Warmwasserbereitung nutzen, anstatt ihn günstig ins Netz einzuspeisen. Solar Hamm erklärt, was hinter den 4 Betriebszuständen steckt und was Sie für die Umsetzung brauchen.

Aktualisiert: 07. Juni 2026 · Solar Hamm GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • SG Ready ist eine standardisierte 2-Kontakt-Schnittstelle, die Wärmepumpen in 4 definierte Betriebszustände versetzt: Sperre, Normalbetrieb, Einschaltempfehlung und Anlaufbefehl.
  • Mit SG Ready nutzen Sie PV-Überschuss direkt zum Heizen und für Warmwasser, statt ihn gering vergütet einzuspeisen.
  • Der Puffer- oder Warmwasserspeicher wirkt als thermische Batterie: Tagsüber mit Solarstrom aufladen, abends und nachts Energie nutzen.
  • Für die Förderung nach BEW (Bundesförderung für effiziente Wärmenetze) ist eine steuerbare, netzdienliche Wärmepumpe mit SG-Ready-Schnittstelle Pflicht.
  • Die Steuerung erfolgt automatisch über Wechselrichter oder ein Energiemanagementsystem, das den PV-Überschuss misst und das Signal weitergibt.

Was bedeutet SG Ready?

SG Ready ist keine App und kein komplexes Netzwerkprotokoll, sondern eine einfache, aber wirkungsvolle Schnittstelle: Zwei potenzialfreie Relaiskontakte, bezeichnet als K1 und K2, sitzen in der Wärmepumpe und nehmen Steuersignale entgegen. Durch die Kombination dieser zwei Kontakte entstehen vier eindeutige Schaltzustände, auf die die Wärmepumpe jeweils definiert reagiert.

Der Begriff bedeutet übersetzt in etwa 'bereit für ein intelligentes Stromnetz'. Wärmepumpen mit diesem Label können aktiv in ein lokales Energiesystem eingebunden werden, zum Beispiel zusammen mit einer PV-Anlage, einem Batteriespeicher oder einem Energiemanagementsystem. In Deutschland müssen Heizungs-Wärmepumpen, die neu installiert werden, grundsätzlich über diese Schnittstelle verfügen.

Die 4 Betriebszustände im Überblick

Die vier Zustände werden durch die Schaltstellung von K1 und K2 kodiert. In der Praxis sind vor allem Zustand 2 und 3 im Alltag relevant.

**Zustand 1 (K1 geschlossen, K2 offen): Sperre** Die Wärmepumpe wird vorübergehend abgeschaltet. Dieser Zustand ist für den Netzbetreiber (EVU-Sperre) reserviert und darf maximal 2 Stunden am Stück und maximal dreimal täglich aktiviert werden. Er ist abwärtskompatibel zu älteren Rundsteuerempfängern.

**Zustand 2 (K1 offen, K2 offen): Normalbetrieb** Die Wärmepumpe läuft nach ihrer einprogrammierten Heizregelung, energieeffizient und ohne externe Einflussnahme. Das ist der Standardzustand, solange kein besonderes Signal anliegt.

**Zustand 3 (K1 offen, K2 geschlossen): Einschaltempfehlung** Die Wärmepumpe erhält die Empfehlung, ihren Betrieb auszuweiten und z. B. die Solltemperatur für Heizung oder Warmwasser anzuheben. Die Wärmepumpe entscheidet dabei selbst, ob und wie stark sie reagiert. Dieser Zustand wird typischerweise bei moderatem PV-Überschuss ausgelöst.

**Zustand 4 (K1 geschlossen, K2 geschlossen): Anlaufbefehl** Die Wärmepumpe erhält den aktiven Befehl, ihren Verdichter einzuschalten und mit erhöhter Leistung zu laufen. Puffer- und Warmwasserspeicher werden bis zur eingestellten Temperaturgrenze gefüllt. Dieser Zustand wird bei hohem PV-Überschuss eingesetzt, wenn möglichst viel Solarenergie als Wärme gespeichert werden soll.

PV-Überschuss intelligent nutzen: So funktioniert es in der Praxis

Wer eine Photovoltaikanlage besitzt, hat tagsüber oft mehr Strom, als der Haushalt direkt verbraucht. Ohne Steuerung fließt dieser Überschuss ins öffentliche Netz und wird mit verhältnismäßig wenig Einspeisevergütung vergütet. Mit SG Ready lässt sich dieser Strom stattdessen direkt in Wärme umwandeln.

Der Ablauf ist dabei automatisiert: Der Wechselrichter oder ein Energiemanagementsystem (EMS) misst kontinuierlich, wie viel Solarstrom produziert und wie viel im Haushalt verbraucht wird. Sobald ein definierter Überschuss vorliegt, sendet das System das passende SG-Ready-Signal an die Wärmepumpe. Diese heizt dann den Puffer- oder Warmwasserspeicher auf einen höheren Sollwert auf.

Das Ergebnis: Der Warmwasserspeicher oder Pufferspeicher wirkt als thermische Batterie. Er speichert die Energie als Wärme, die abends oder am nächsten Morgen genutzt wird, ohne dass die Wärmepumpe zu diesen Zeiten mit teurem Netzstrom laufen muss. Der Eigenverbrauchsanteil steigt, die Stromkosten sinken.

Welche Voraussetzungen brauchen Sie?

Damit SG Ready in Ihrem Zuhause funktioniert, müssen mehrere Komponenten zusammenpassen:

**1. SG-Ready-fähige Wärmepumpe:** Moderne Wärmepumpen, z. B. von Vaillant, verfügen in der Regel bereits über die SG-Ready-Klemmen. Prüfen Sie im Zweifelsfall die Dokumentation Ihrer Anlage oder fragen Sie Ihren Installateur.

**2. PV-Anlage mit Überschussmessung:** Ihr Wechselrichter oder Energiemanagementsystem muss den Solarüberschuss in Echtzeit messen können. Viele moderne Wechselrichter haben diese Funktion bereits integriert.

**3. Steuereinheit oder Energiemanagementsystem:** Ein EMS, ein kompatibler Wechselrichter oder ein einfaches Schaltrelais übernimmt die Verbindung zwischen PV-Messung und den SG-Ready-Klemmen der Wärmepumpe. Bei komplexeren Systemen mit Batterie, Wallbox und Wärmepumpe empfiehlt sich ein vollwertiges EMS.

**4. Puffer- oder Warmwasserspeicher:** Ohne thermischen Speicher kann die Wärmepumpe die erzeugte Wärme nicht zwischenspeichern. Ein ausreichend dimensionierter Speicher ist die Grundvoraussetzung für eine sinnvolle SG-Ready-Nutzung.

**5. Fachgerechte Installation:** Die Verdrahtung der Klemmen und die Konfiguration der Schaltschwellen gehören in die Hände eines qualifizierten Installateurs. Falsch belegte Kontakte lösen falsche Betriebszustände aus.

SG Ready und Förderung

Die Förderung von Wärmepumpen ist seit einigen Jahren an die Steuerbarkeit der Anlage geknüpft. Wärmepumpen müssen für viele staatliche Förderprogramme nachweisen, dass sie netzdienlich betrieben werden können. SG Ready ist die technische Grundlage dafür.

Konkret bedeutet das: Netzbetreiber dürfen Wärmepumpen bei Netzüberlastung im Rahmen von Zustand 1 kurzzeitig abregeln. Im Gegenzug profitieren Betreiber von günstigeren Wärmepumpentarifen einzelner Energieversorger und von staatlichen Zuschüssen. Wer plant, eine neue Wärmepumpe zu installieren, sollte die SG-Ready-Funktion als Standard-Anforderung betrachten, nicht als optionales Extra.

In Hamm und der Region Westfalen sind wir als Solar Hamm GmbH mit der lokalen Netzinfrastruktur und den relevanten Antragsverfahren vertraut. Wir begleiten Sie von der Planung bis zur Inbetriebnahme.

SG Ready im Gesamtsystem: Wärmepumpe, PV und Speicher

SG Ready entfaltet seinen vollen Nutzen, wenn es in ein abgestimmtes Energiesystem eingebettet ist. Eine typische Konstellation bei Solar Hamm sieht so aus:

- PV-Anlage auf dem Dach erzeugt Solarstrom - Batteriespeicher (z. B. EcoFlow PowerOcean oder Tesla Powerwall) speichert elektrischen Überschuss - Energiemanagementsystem priorisiert: zuerst Direktverbrauch, dann Batterieladen, dann Wärmepumpe ansteuern - Wärmepumpe (z. B. Vaillant arotherm plus) erhält SG-Ready-Signal und lädt den Pufferspeicher thermisch auf - Wallbox für E-Auto lädt ebenfalls aus dem PV-Überschuss

Die Steuerungslogik sorgt dafür, dass jede verfügbare Kilowattstunde Solarstrom möglichst sinnvoll und kosteneffizient genutzt wird. Das senkt den Netzbezug und erhöht die Unabhängigkeit dauerhaft.

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Häufige Fragen

Antworten auf einen Blick.

SG Ready bedeutet 'Smart Grid Ready', also 'bereit für ein intelligentes Stromnetz'. Es ist eine standardisierte Schnittstelle an Wärmepumpen, über die externe Systeme wie eine PV-Anlage oder ein Energiemanagementsystem die Wärmepumpe in vier definierte Betriebszustände schalten können. Die Technik dahinter ist simpel: zwei Relaiskontakte, die in Kombination vier Signale ergeben.
In Deutschland müssen neu installierte Heizungs-Wärmepumpen grundsätzlich über eine SG-Ready-fähige Steuerung verfügen. Viele Förderprogramme setzen die Steuerbarkeit der Anlage voraus. Wenn Sie eine ältere Wärmepumpe besitzen, prüfen Sie mit Ihrem Installateur, ob eine Nachrüstung technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Für die Nutzung von PV-Überschuss sind vor allem Zustand 3 (Einschaltempfehlung) und Zustand 4 (Anlaufbefehl) relevant. Bei moderatem Überschuss empfiehlt Zustand 3 der Wärmepumpe, ihren Betrieb zu intensivieren. Bei hohem Überschuss befiehlt Zustand 4 den aktiven Start des Verdichters mit erhöhter Leistung, um möglichst viel Wärme zu speichern.
Beim Betriebszustand 1 kann der Netzbetreiber (EVU) die Wärmepumpe vorübergehend abschalten, um das Stromnetz bei Überlast zu entlasten. Das ist auf maximal 2 Stunden am Stück und maximal dreimal täglich begrenzt. Dieser Zustand ist für Haushalte in der Praxis kaum spürbar, weil ein ausreichend dimensionierter Pufferspeicher die Wärme überbrückt.
Nicht zwingend. Viele Wechselrichter können bei Erreichen einer einstellbaren PV-Leistung direkt ein Relais schalten und damit den SG-Ready-Eingang der Wärmepumpe ansteuern. Für komplexere Systeme mit Batterie, Wallbox und mehreren Verbrauchern empfiehlt sich ein vollwertiges EMS, das alle Prioritäten intelligent koordiniert.
Das hängt von der Wärmepumpenleistung, dem Heizsystem und dem Warmwasserbedarf ab. Als grobe Orientierung gilt: Ein gut dimensionierter Pufferspeicher sollte in der Lage sein, die Wärme aus 1 bis 3 Stunden Betrieb im verstärkten Modus aufzunehmen. Konkrete Empfehlungen geben wir Ihnen gerne im Rahmen einer persönlichen Planung.
Ja. SG Ready nutzt den thermischen Speicher (Puffer- oder Warmwasserspeicher) als Wärmespeicher. Ein elektrischer Batteriespeicher ist dafür nicht notwendig. Beides zusammen erhöht jedoch die Flexibilität und den Eigenverbrauchsanteil deutlich.
Wenn die Wärmepumpe bereits SG-Ready-Klemmen hat und ein kompatibler Wechselrichter vorhanden ist, sind die Zusatzkosten oft gering: Verdrahtung der Klemmen, Konfiguration der Schaltschwellen und ggf. ein kleines Schaltmodul. Bei einer Neuinstallation im Komplettpaket aus PV-Anlage, Speicher und Wärmepumpe ist SG Ready in der Regel ohne großen Mehraufwand integrierbar.
Aktuelle Vaillant-Wärmepumpen wie die arotherm plus verfügen über eine SG-Ready-Schnittstelle und lassen sich über das myVAILLANT-System oder ein externes EMS ansteuern. Als Vaillant-Fachbetrieb in Hamm beraten wir Sie zur konkreten Konfiguration Ihrer Anlage.

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