
Energiemanagement
EVCC:
Open-Source-Energiemanagement für PV, Wallbox und Speicher erklärt
EVCC (Electric Vehicle Charge Controller) ist eine kostenlose Open-Source-Software, die Wallbox, Wechselrichter, Heimspeicher und E-Auto zu einem intelligenten Energiesystem verbindet. Das Ziel: Ihr Elektrofahrzeug lädt vorrangig mit selbst erzeugtem Solarstrom, nicht mit teurem Netzstrom. Wer EVCC sinnvoll nutzen will, braucht allerdings etwas technisches Grundverständnis und kompatible Hardware.
Aktualisiert: 09. Juni 2026 · Solar Hamm GmbH
Das Wichtigste in Kürze
- EVCC ist eine kostenlose Open-Source-Software (MIT-Lizenz), die PV-Überschussladen, Lastmanagement und Heimspeicher-Koordination lokal und ohne Cloud-Zwang steuert.
- Die Ladeleistung der Wallbox wird minütlich an den aktuellen PV-Überschuss angepasst, sodass möglichst kein Netzstrom für das E-Auto verbraucht wird.
- EVCC läuft auf einem Raspberry Pi, einem NAS oder als Home-Assistant-Add-on und kommuniziert über offene Protokolle wie Modbus TCP und OCPP.
- Für viele kommerzielle Schnittstellen (z. B. Easee, KEBA, go-e) ist ein Sponsor-Token erforderlich, das das Projekt finanziert (ca. 2 USD/Monat oder 100 USD einmalig).
- EVCC eignet sich besonders für PV-Besitzer mit E-Auto und technischem Grundverständnis. Wer eine reine Plug-and-play-Lösung sucht, ist mit einem professionellen Energiemanagementsystem besser beraten.
Was ist EVCC genau?
EVCC steht für Electric Vehicle Charge Controller. Die Software koordiniert Wallbox, PV-Wechselrichter und optional Heimspeicher sowie dynamische Stromtarife so, dass Ihr E-Auto möglichst günstig und mit möglichst viel eigenem Solarstrom geladen wird.
Das Projekt startete 2019 als Open-Source-Initiative und wird von einer aktiven Community auf GitHub kontinuierlich weiterentwickelt. Die Software steht unter der MIT-Lizenz und ist kostenlos verfügbar. Sie läuft vollständig lokal in Ihrem Heimnetz, Ihre Daten bleiben bei Ihnen.
Wichtig: EVCC ist keine Wallbox-Firmware und kein herstellergebundenes System. Es ist ein eigenständiges Programm, das über offene Protokolle wie Modbus TCP, OCPP oder HTTP-APIs mit Ihren Geräten spricht.
Die wichtigsten Funktionen im Überblick
PV-Überschussladen ist die Kernfunktion: EVCC regelt die Ladeleistung der Wallbox minütlich nach und passt sie an den aktuell verfügbaren PV-Überschuss an. Produziert Ihre Anlage mehr Strom als der Haushalt verbraucht, erhöht EVCC die Ladegeschwindigkeit. Sinkt die Produktion, drosselt die Software entsprechend oder pausiert den Ladevorgang vorübergehend.
Lastmanagement verhindert, dass Ihr Hausanschluss bei gleichzeitigem Betrieb mehrerer Verbraucher überlastet wird. EVCC berücksichtigt dabei auch andere aktive Verbraucher im Haus.
Heimspeicher-Koordination: EVCC kann Laden, Einspeisung und Speicherladung aufeinander abstimmen. So vermeiden Sie, dass der Hausakkus für das E-Auto-Laden unnötig entladen wird.
Dynamische Stromtarife: Nutzer von Anbietern wie Tibber oder aWATTar können in EVCC eine Preisgrenze setzen. Das Fahrzeug lädt dann automatisch in günstigen Stromphasen nach.
Fahrzeug-Akkustand (SoC): Bei kompatiblen Fahrzeugen liest EVCC den Ladestand direkt aus und ermöglicht SoC-basierte Ladegrenzen sowie eine Mindestladung, die immer garantiert wird.
CO2-optimiertes Laden: Wer besonders klimabewusst laden will, kann eine CO2-Grenze für den Netzbezug festlegen. Überschreitet der aktuelle Strommix diesen Wert, pausiert der Ladevorgang.
Kompatible Hardware: Was funktioniert mit EVCC?
EVCC unterstützt eine sehr große Bandbreite an Geräten. Hier ein Überblick der wichtigsten Kategorien:
Wallboxen: go-e, KEBA, Easee (unser Empfehlung als Meisterbetrieb), openWB, OpenEVSE, ABB, Fronius Wattpilot und viele weitere. Hinweis: Für viele kommerzielle Wallboxen ist ein Sponsor-Token nötig. Open-Hardware-Wallboxen wie openWB funktionieren ohne Token.
Wechselrichter: SMA, Fronius, Kostal, SolarEdge, Huawei, Growatt, Sungrow, Goodwe und weitere. Die Verbindung erfolgt meist über Modbus TCP oder die lokale HTTP-API des Herstellers.
Heimspeicher: Tesla Powerwall, EcoFlow PowerOcean, SENEC, Sonnen, E3/DC, VARTA, Victron Energy und viele mehr.
Wärmepumpen: Vaillant, Viessmann, Stiebel Eltron, Daikin, LG, NIBE und weitere Hersteller werden unterstützt.
Bitte prüfen Sie die Kompatibilität Ihrer konkreten Gerätekonfiguration vorab auf der offiziellen EVCC-Dokumentationsseite (docs.evcc.io). Nicht jedes Gerät jedes Herstellers ist zwingend kompatibel.
Hardware für die Installation: Was brauchen Sie?
EVCC läuft als eigenständige Anwendung auf einem kleinen Rechner, der dauerhaft eingeschaltet bleibt. Die gängigsten Optionen:
Raspberry Pi (ab Modell 3B+): Die günstigste und beliebteste Lösung. Ein Pi läuft sehr stromsparend und rund um die Uhr.
NAS-Laufwerk (z. B. Synology, QNAP): Wer ein NAS im Einsatz hat, kann EVCC dort als Docker-Container betreiben.
Home Assistant Add-on: EVCC lässt sich als Add-on in eine bestehende Home-Assistant-Instanz integrieren, was die Bedienung deutlich vereinfacht.
Windows- oder Linux-PC: Grundsätzlich möglich, aber weniger empfehlenswert, da der Rechner dauerhaft laufen muss.
Die Einrichtung erfolgt über eine Konfigurationsdatei (evcc.yaml) und erfordert grundlegende IT-Kenntnisse. Wer noch nie mit der Kommandozeile gearbeitet hat, sollte die Installationsanleitung sorgfältig lesen oder sich Unterstützung suchen.
Kosten: Was kostet EVCC wirklich?
Die Software selbst ist kostenlos und quelloffen. Allerdings gibt es einen Sponsor-Token, der für viele kommerzielle Geräteschnittstellen erforderlich ist.
Das Sponsor-Token kostet wahlweise rund 2 USD pro Monat oder einmalig rund 100 USD. Mit einem Demo-Key können Sie die Schnittstellen zunächst kostenfrei testen. Durch das Sponsor-Modell wird die Weiterentwicklung des Projekts finanziert.
Open-Source- und Open-Hardware-Produkte wie openWB oder OpenEVSE funktionieren ohne Token.
Die eigentliche Hardware (Raspberry Pi, Netzwerkkabel, ggf. Stromzähler) kommt dazu. Insgesamt sind die Einstiegskosten im Vergleich zu proprietären Energiemanagementsystemen sehr gering.
Für wen lohnt sich EVCC, für wen nicht?
EVCC lohnt sich besonders, wenn Sie Folgendes mitbringen:
Eine PV-Anlage in Betrieb, ein Elektrofahrzeug und eine kompatible Wallbox. Technisches Grundverständnis und etwas Zeit für die Einrichtung. Den Wunsch nach maximaler Kontrolle und Datensouveränität ohne Herstellerbindung.
EVCC ist weniger geeignet für Sie, wenn:
Sie eine vollständig automatische Plug-and-play-Lösung bevorzugen. Ihre Wallbox nur über die Cloud des Herstellers kommuniziert (keine lokale Schnittstelle). Sie in einem Mietverhältnis ohne eigene PV-Anlage leben. Sie keine Zeit für Konfiguration und gelegentliche Wartung aufwenden möchten.
In diesen Fällen empfehlen wir ein professionelles Energiemanagementsystem, das wir als Meisterbetrieb konfigurieren und warten. Sprechen Sie uns an, wir zeigen Ihnen beide Wege ehrlich auf.
EVCC und Solar Hamm: Was wir für Sie tun können
Als Meisterbetrieb aus Hamm installieren wir PV-Anlagen, Heimspeicher, Wallboxen und Wärmepumpen. Viele unserer Kunden fragen uns nach EVCC, und wir kennen die Stärken und Grenzen der Software aus der Praxis.
Wir bauen Ihnen eine EVCC-kompatible Anlage mit Komponenten, die wir kennen und empfehlen: Easee-Wallboxen, Vaillant-Wärmepumpen, EcoFlow- oder Tesla-Speicher sowie Wechselrichter führender Hersteller. Die Grundkonfiguration von EVCC können wir gemeinsam mit Ihnen besprechen. Die finale Einrichtung liegt in Ihrer Hand oder der Community, da EVCC ein Open-Source-Projekt ohne kommerziellen Installationsservice ist.
Wenn Sie lieber ein schlüsselfertiges Energiemanagementsystem ohne Selbstkonfiguration wünschen, zeigen wir Ihnen auch die entsprechenden Alternativen.
Solar Hamm
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Häufige Fragen
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