Ratgeber Versorgungssicherheit

Was passiert bei Stromausfall mit PV-Anlage und Speicher?

Viele Haushalte in Hamm und der Region stellen sich dieselbe Frage: Liefert die eigene Solaranlage auch dann Strom, wenn das öffentliche Netz ausfällt? Die ehrliche Antwort: Nicht automatisch. Aber mit der richtigen Technik ist eine zuverlässige Absicherung möglich. Dieser Ratgeber erklärt, was bei einem Netzausfall technisch passiert, was Notstrom von Ersatzstrom unterscheidet und wie Sie Ihre Anlage nachrüsten können.

Aktualisiert: 09. Juni 2026 · Solar Hamm GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine normale PV-Anlage schaltet sich bei Stromausfall automatisch ab, das ist gesetzlich vorgeschrieben (VDE-AR-N 4105).
  • Auch ein voller Batteriespeicher liefert ohne Notstromfunktion im Ausfall keinen nutzbaren Strom.
  • Notstrom versorgt einzelne Steckdosen über den Speicher. Ersatzstrom versorgt das gesamte Hausnetz und lädt den Speicher weiter über die PV-Anlage nach.
  • Für Ersatzstrom wird ein schwarzstartfähiger Wechselrichter sowie eine Netzumschalteinrichtung benötigt.
  • Die meisten Stromausfälle in Deutschland dauern unter 15 Minuten. Für längere Ausfälle und mehr Komfort empfiehlt sich ein vollwertiges Ersatzstromsystem.

Warum schaltet die PV-Anlage bei Stromausfall ab?

Das ist keine Fehlfunktion, sondern Pflicht. Die Norm VDE-AR-N 4105 schreibt vor, dass jede netzgekoppelte PV-Anlage bei einem Netzausfall sofort vom öffentlichen Netz getrennt werden muss. Der Grund ist der Schutz der Netzwerker des Netzbetreibers, die bei Wartungs- und Reparaturarbeiten nicht durch rückspeisende Anlagen gefährdet werden dürfen.

Das bedeutet im Klartext: Selbst wenn die Sonne scheint und der Speicher voll geladen ist, produziert und liefert eine Standard-PV-Anlage im Ausfall keinen Strom ins Haus. Der Wechselrichter schaltet sich zum Schutz des Netzes ab. Um das zu ändern, brauchen Sie eine aktive Notstrom- oder Ersatzstromlösung.

Notstrom: Die einfache Absicherung für kritische Geräte

Beim Notstrom versorgt der Batteriespeicher über eine oder mehrere dedizierte Notstromsteckdosen einzelne, ausgewählte Verbraucher weiter. Der Wechselrichter schaltet bei Netzausfall auf diese Steckdosen um, der Rest des Hauses bleibt ohne Strom.

Geeignete Geräte für den Notstromkreis sind: Kühlschrank, Gefriertruhe, Router und WLAN, Beleuchtung (LED), Handy und Laptop, medizinische Kleingeräte sowie die Heizungssteuerung (Umwälzpumpe).

Wichtige Einschränkung: Sobald der Speicher leer ist, endet die Versorgung. Ohne schwarzstartfähigen Wechselrichter kann der Speicher im Ausfall nicht über die PV-Anlage nachgeladen werden. Wichtig ist daher, im Normalbetrieb eine Reserve von mindestens 25 bis 35 Prozent der Speicherkapazität einzustellen, damit das System im Ernstfall anspringen kann.

Die Investition für eine einfache Notstromlösung liegt typischerweise bei 300 bis 800 Euro Mehrkosten.

Ersatzstrom: Das gesamte Hausnetz im Notfall versorgen

Ein vollwertiges Ersatzstromsystem geht erheblich weiter. Hier trennt eine Netzumschalteinrichtung bei Stromausfall das gesamte Hausnetz automatisch vom öffentlichen Netz und schaltet auf die eigene Inselversorgung um. Wechselrichter und Speicher bilden gemeinsam ein eigenes Hausnetz.

Der entscheidende Unterschied zum Notstrom: Wenn die Sonne scheint, kann die PV-Anlage den Speicher weiter nachladen. Das ist möglich, weil der Wechselrichter schwarzstartfähig ist, also ohne externe Netzspannung anläuft und selbst eine Netzfrequenz erzeugt.

Vorteile des Ersatzstromsystems: - Automatische Umschaltung, meistens innerhalb weniger Sekunden - Versorgung aller oder der meisten Stromkreise im Haus - Solare Nachladung des Speichers möglich - Deutlich längere Überbrückung als mit reinem Notstrom

Einschränkungen: Ersatzstromsysteme sind aufwändiger, teurer (Mehrkosten ca. 1.000 bis 2.500 Euro) und nicht in jedem Haus nachrüstbar. Ältere Hauselektrik entspricht manchmal nicht den technischen Anforderungen. Ob Ihr Hausnetz kompatibel ist, klärt eine Fachprüfung vor Ort.

Energiehungrige Großverbraucher wie Elektroherd, Backofen, Waschmaschine, Trockner oder Wärmepumpe sollten im Notbetrieb bewusst abgeschaltet werden, um den Speicher nicht zu schnell zu leeren.

Schwarzstartfähigkeit: Das technische Herzstück

Der Begriff Schwarzstart beschreibt die Fähigkeit eines Wechselrichters, sich ohne externe Netzspannung selbst zu starten und eine eigene Netzfrequenz aufzubauen. Nur ein schwarzstartfähiger Wechselrichter kann im Stromausfall den Speicher aktivieren und gleichzeitig die PV-Anlage weiterlaufen lassen.

Moderne Hybridwechselrichter bringen diese Funktion in der Regel mit. Bei älteren Wechselrichtermodellen muss geprüft werden, ob ein Tausch oder eine Nachrüstung möglich ist. Dabei ist die Kompatibilität zwischen Wechselrichter und Batteriespeicher entscheidend, da beide Geräte beim Schwarzstart eng zusammenarbeiten müssen.

Für den Schwarzstart muss der Speicher eine Mindestenergie bereithalten. Daher wird im Normalbetrieb eine Reserve von ca. 25 bis 35 Prozent der Kapazität eingestellt, die für den Haushalts-Normalbetrieb nicht verfügbar ist. Wer ein Ersatzstromsystem plant, sollte den Speicher entsprechend etwas größer dimensionieren.

Welche Geräte laufen bei Stromausfall, welche nicht?

Im Notstrom- oder Ersatzstrombetrieb gilt eine klare Prioritätenreihenfolge. Die verfügbare Leistung ist begrenzt, auch wenn der Wechselrichter im Normalbetrieb 10 kW liefert, steht dieselbe Grenze auch im Backup-Betrieb.

Geeignete Verbraucher (niedriger bis mittlerer Verbrauch): - Kühlschrank und Gefriertruhe - Beleuchtung (LED) - Router, Laptop, Smartphone - TV und Unterhaltungselektronik - Heizungssteuerung und Umwälzpumpe - Kleingeräte wie Kaffeemaschine oder Wasserkocher (zeitweise)

Weniger geeignete Verbraucher (hoher Verbrauch, schnelle Speicherentleerung): - Elektroherd und Backofen - Waschmaschine und Wäschetrockner - Wärmepumpe (hoher Anlaufstrom) - Elektroauto-Schnellladung

Mit einem dreiphasigen Ersatzstromsystem und ausreichend dimensioniertem Speicher lassen sich auch Wärmepumpen in einigen Fällen weiter betreiben. Das hängt von der konkreten Anlagenkonstellation ab und sollte im Voraus geplant werden.

Nachrüstung: Bestandsanlage fit für den Stromausfall machen

Sie haben bereits eine PV-Anlage, möchten aber für Stromausfälle besser gerüstet sein? Eine Nachrüstung ist in vielen Fällen möglich.

Schritt 1: Bestandsaufnahme. Welchen Wechselrichter haben Sie? Ist er schwarzstartfähig oder kann er durch ein Firmware-Update oder Zusatzmodul aufgerüstet werden?

Schritt 2: Speicherintegration. Falls noch kein Speicher vorhanden ist, lässt sich in vielen Fällen ein kompatibler Batteriespeicher nachinstallieren. Die EcoFlow PowerOcean oder die Tesla Powerwall 3, die wir bei Solar Hamm anbieten, verfügen über integrierte Backup-Funktionen.

Schritt 3: Elektrik prüfen. Für ein vollwertiges Ersatzstromsystem muss die Hauselektrik die Anforderungen der VDE-AR-N 4105 erfüllen. Ältere Netze (vor ca. 2005) sind häufig nicht geeignet.

Schritt 4: Netzumschalteinrichtung einbauen. Für Ersatzstrom wird eine allpolige Netzumschaltung benötigt, die das Hausnetz im Ausfall sicher vom öffentlichen Netz trennt.

Eine Vor-Ort-Prüfung durch unsere Fachleute dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde und gibt Ihnen Planungssicherheit.

Ist eine Notstromlösung in Hamm und der Region sinnvoll?

Deutschland gehört zu den Ländern mit den zuverlässigsten Stromnetzen in Europa. Im Durchschnitt liegt die jährliche Ausfallzeit pro Haushalt bei unter 15 Minuten, verteilt auf mehrere kurze Unterbrechungen.

Für die meisten Haushalte in Hamm, Ahlen, Unna oder Dortmund ist eine einfache Notstromlösung daher ausreichend, um die wichtigsten Geräte während kurzer Ausfälle zu sichern. Wer auf maximale Unabhängigkeit und Komfort setzt, investiert in ein vollwertiges Ersatzstromsystem.

Besondere Relevanz hat eine Notstromlösung für: Haushalte mit Heimarbeitsplatz und Telefonanlage, Menschen mit elektrisch betriebenen Medizingeräten, Betriebe mit sensiblen Geräten sowie alle, die ihre Unabhängigkeit vom Netzbetreiber konsequent erhöhen wollen.

Bei Solar Hamm beraten wir Sie ehrlich und ohne Druck: Wir empfehlen nur, was zu Ihrer Anlage, Ihrem Haus und Ihrem Bedarf wirklich passt.

Häufige Fragen

Antworten auf einen Blick.

Nicht automatisch. Eine normale, netzgekoppelte PV-Anlage schaltet sich bei einem Netzausfall aus Sicherheitsgründen automatisch ab. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Erst mit einer Notstrom- oder Ersatzstromfunktion kann die Anlage im Ausfall weiter Strom liefern.
Nicht ohne Weiteres. Auch ein voll geladener Speicher ist ohne Notstromfunktion im Ausfall nicht nutzbar, da der Wechselrichter vom Netz getrennt ist. Erst ein notstromfähiger Wechselrichter mit entsprechender Konfiguration gibt den Speicher im Notfall frei.
Notstrom versorgt über eine oder wenige Notstromsteckdosen ausgewählte Geräte. Die PV-Anlage bleibt dabei häufig ausgeschaltet, der Speicher wird geleert und nicht nachgeladen. Ersatzstrom trennt das gesamte Hausnetz vom öffentlichen Netz und ersetzt es durch den Wechselrichter und Speicher. Dabei kann die PV-Anlage den Speicher tagsüber weiter nachladen.
Mit einer Notstromlösung laufen Kühlschrank, Gefriertruhe, Beleuchtung (LED), Router, Handy und Laptop sowie die Heizungssteuerung problemlos weiter. Großverbraucher wie Elektroherd, Waschmaschine, Trockner oder Wärmepumpe sollten im Notbetrieb ausgeschaltet bleiben, da sie den Speicher sehr schnell entleeren.
Ein schwarzstartfähiger Wechselrichter kann sich ohne externe Netzspannung selbst starten und eine eigene Netzfrequenz aufbauen. Das ist die technische Voraussetzung dafür, dass die PV-Anlage im Stromausfall weiterlaufen und den Speicher nachladen kann. Moderne Hybridwechselrichter bringen diese Funktion meistens serienmäßig mit.
Oft ja. Entscheidend ist, ob Ihr Wechselrichter schwarzstartfähig ist oder aufgerüstet werden kann. Außerdem muss die Hauselektrik die technischen Anforderungen erfüllen. Eine Vor-Ort-Prüfung klärt schnell, was bei Ihrer Anlage möglich ist. Solar Hamm bietet diese Überprüfung an.
Das hängt von der Speicherkapazität und dem Verbrauch der laufenden Geräte ab. Mit einem 10 kWh Speicher und sparsamen Verbrauchern (Kühlschrank, Licht, Router) können Sie typischerweise eine Nacht überbrücken. Mit Ersatzstromsystem und schwarzstartfähigem Wechselrichter lädt der Speicher tagsüber über die PV-Anlage nach, was die Versorgung erheblich verlängert.
Eine einfache Notstromlösung mit Notstromsteckdose kostet in der Regel 300 bis 800 Euro zusätzlich. Ein vollwertiges Ersatzstromsystem mit Netzumschalteinrichtung liegt je nach Speicher, Wechselrichter und bestehender Hausinstallation bei etwa 1.000 bis 2.500 Euro Mehrkosten. Genaue Preise ermitteln wir gerne in einem kostenlosen Beratungsgespräch.
Für die meisten Haushalte reicht eine einfache Notstromlösung aus, da Stromausfälle in Deutschland durchschnittlich weniger als 15 Minuten pro Jahr dauern. Wer auf medizinische Geräte angewiesen ist, im Homeoffice arbeitet oder maximale Unabhängigkeit anstrebt, profitiert von einem vollwertigen Ersatzstromsystem. Wir beraten Sie individuell und ohne Verkaufsdruck.

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