Ratgeber Wärmepumpe
Wärmepumpe im Altbau:
Geht das?
Viele Hausbesitzer glauben, eine Wärmepumpe funktioniere nur im Neubau mit Fußbodenheizung. Das stimmt so pauschal nicht. Mit den richtigen Vorbereitungen lässt sich eine Wärmepumpe auch im Altbau wirtschaftlich und effizient betreiben. Worauf es ankommt, erklärt Solar Hamm aus Hamm ehrlich und ohne Verkaufsdruck.
Aktualisiert: 07. Juni 2026 · Solar Hamm GmbH
Das Wichtigste in Kürze
- Laut FfE München sind rund 75 % aller deutschen Wohngebäude grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet.
- Die entscheidende Kennzahl ist die Vorlauftemperatur: Je niedriger sie ist, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Zielwert: unter 55 °C, ideal 35 bis 45 °C.
- Ein hydraulischer Abgleich ist seit Oktober 2024 gesetzlich vorgeschrieben (§ 60c GEG) und senkt die Heizkosten laut ADAC um bis zu 15 Prozent.
- Die richtige Reihenfolge im Altbau: erst dämmen, dann hydraulisch abgleichen, dann Heizkörper prüfen, zuletzt die Wärmepumpe einbauen.
- Eine Wärmepumpe mit Heizkörpern ist möglich. Wichtig sind ausreichend dimensionierte Heizflächen und ein sauber eingestelltes Hydrauliksystem.
Warum die Vorlauftemperatur alles entscheidet
Die Vorlauftemperatur beschreibt, wie heiß das Wasser ist, das die Heizung in die Heizkörper schickt. Alte Gasheizungen arbeiten oft mit 70 bis 75 °C. Wärmepumpen sind darauf nicht ausgelegt: Sie liefern Wärme am effizientesten bei 35 bis 45 °C.
Je kleiner der Unterschied zwischen der Wärmequelle (Außenluft oder Erdreich) und der benötigten Vorlauftemperatur, desto mehr Wärme erzeugt die Wärmepumpe pro eingesetzter Kilowattstunde Strom. Dieser Wert heißt Jahresarbeitszahl (JAZ). Bei 35 bis 45 °C Vorlauf erreichen moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen eine JAZ von 3,8 bis 4,5. Bei 55 °C sinkt dieser Wert auf 2,8 bis 3,2, was die Betriebskosten spürbar erhöht.
Das Ziel im Altbau ist deshalb klar: die Vorlauftemperatur so weit wie möglich absenken. Wie das gelingt, zeigen die folgenden Schritte.
Schritt 1: Dämmung verbessern
Der erste und wirkungsvollste Hebel ist die Gebäudehülle. Wer Wärme verliert, braucht höhere Vorlauftemperaturen, um den Verlust auszugleichen. Umgekehrt gilt: Jede Dämmmaßnahme senkt den Heizbedarf und erlaubt niedrigere Vorlauftemperaturen.
Besonders wirkungsvoll im Altbau: - Dachdämmung oder Ausbau des obersten Geschosses - Kellerdeckendämmung (oft günstig und einfach umsetzbar) - Fassadendämmung (WDVS oder Kerndämmung bei zweischaligem Mauerwerk) - Austausch alter Einfachverglasung gegen Dreifachverglasung
Das ifeu-Institut (Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg) empfiehlt ausdrücklich: Die Wärmeverteilung muss an den Wärmebedarf angepasst werden, nicht umgekehrt. Deshalb sollte die Dämmung immer als erster Schritt erfolgen, bevor die Heizungstechnik angepasst wird.
Schritt 2: Hydraulischer Abgleich
Der hydraulische Abgleich ist eine der effektivsten Maßnahmen, bevor eine Wärmepumpe eingebaut wird. Er stellt sicher, dass durch jeden Heizkörper im Haus genau die richtige Menge Heizwasser fließt.
Ohne Abgleich passiert Folgendes: Heizkörper in der Nähe der Heizungspumpe werden überhitzt, während weiter entfernte Heizkörper kaum warm werden. Um auch die kälteren Räume zu versorgen, muss die Vorlauftemperatur unnötig hoch eingestellt werden. Das kostet Geld und verschlechtert die JAZ direkt.
Ein Fachbetrieb berechnet beim hydraulischen Abgleich die individuelle Heizlast für jeden Raum und stellt die Ventilvoreinstellungen an jedem Heizkörper entsprechend ein. Das Ergebnis: gleichmäßige Wärmeverteilung, niedrigere Vorlauftemperatur, geringerer Stromverbrauch.
Seit dem 1. Oktober 2024 ist der hydraulische Abgleich bei jeder neu eingebauten Heizungsanlage gesetzlich vorgeschrieben (§ 60c GEG). Er ist damit kein optionales Extra, sondern Pflicht. Laut ADAC senkt ein hydraulischer Abgleich die Heizkosten um bis zu 15 Prozent.
Schritt 3: Heizkörper prüfen und ggf. tauschen
Alte Heizkörper wurden für hohe Vorlauftemperaturen ausgelegt. Wer die Vorlauftemperatur absenkt, verringert damit auch die Heizleistung der vorhandenen Heizkörper. Die Faustregel: Eine Halbierung des Temperatur-Deltas (Differenz zwischen Heizkörpertemperatur und Raumtemperatur) reduziert die abgegebene Wärme um rund 60 Prozent.
Das bedeutet: Wer von 70 °C auf 45 °C Vorlauf wechselt, muss prüfen, ob die alten Heizkörper noch ausreichend Wärme liefern. Oft reicht es, vorhandene Heizkörper durch größere Modelle desselben Typs zu ersetzen. In manchen Räumen genügt auch ein zweiter Heizkörper an der Wand.
Ein vollständiger Tausch auf Flächenheizung (Fußboden- oder Wandheizung) ist nicht zwingend nötig. Moderne Niedertemperatur-Heizkörper mit größerer Heizfläche funktionieren gut mit Wärmepumpen und lassen sich in den meisten Altbauten nachrüsten.
Wann ein Heizkörpertausch sinnvoll ist: - Der Raum wird bei abgesenkter Vorlauftemperatur nicht mehr ausreichend warm - Der Heizkörper ist stark korrodiert oder undicht - Der Heizkörper wurde nachträglich verkleinert oder abgedeckt
Wann ist eine Wärmepumpe im Altbau wirklich sinnvoll?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist eine Einzelfallbewertung. Als grobe Orientierung gelten folgende Kriterien:
Gute Voraussetzungen: - Das Gebäude ist bereits gedämmt (Fassade, Dach, Keller) - Die vorhandene Heizung arbeitet mit Vorlauftemperaturen unter 55 °C - Es gibt eine Fußbodenheizung oder großflächige Heizkörper - Ein hydraulischer Abgleich ist vorhanden oder kann durchgeführt werden
Herausfordernde Fälle (aber nicht unmöglich): - Altbau ohne jede Dämmung und sehr kleine Heizkörper - Denkmalgeschütztes Gebäude mit eingeschränkten Dämmoptionen - Einfamilienhäuser mit Vorlauftemperaturen deutlich über 60 °C
In schwierigen Fällen kann eine Hybridlösung sinnvoll sein: Eine Wärmepumpe übernimmt den Großteil des Jahres die Heizung. An sehr kalten Tagen unterstützt ein kleiner Gas- oder Pelletkessel. So lassen sich auch schlecht gedämmte Altbauten mit einer Wärmepumpe wirtschaftlich betreiben.
Solar Hamm führt vor jedem Angebot eine Heizlastberechnung durch. So bekommen Sie eine ehrliche Einschätzung, ob und mit welchem Aufwand eine Wärmepumpe in Ihrem Gebäude Sinn ergibt.
Betrieb einer Wärmepumpe im Altbau: Tipps für die Praxis
Haben Sie die Vorbereitungen abgeschlossen, sind noch ein paar Betriebshinweise wichtig:
Kontinuierlich heizen statt Nachtabsenkung: Bei Wärmepumpen ist eine starke Nachtabsenkung meist kontraproduktiv. Das Wiederaufheizen am Morgen erfordert höhere Vorlauftemperaturen, was die Effizienz verschlechtert. Ein gleichmäßiger Betrieb auf konstantem Niveau spart im Schnitt mehr Strom.
Heizkurve korrekt einstellen: Die Wärmepumpe regelt die Vorlauftemperatur anhand der Außentemperatur (witterungsgeführter Betrieb). Eine fachkundig eingestellte Heizkurve verhindert, dass das System im Sommer unnötig warm und im Winter zu kalt läuft.
Pufferspeicher bei älteren Heizkörpersystemen: In Altbauten mit ungleichmäßigen Rohrdurchmessern oder langen Leitungen empfiehlt sich ein Pufferspeicher. Er stabilisiert den Druck im System und verhindert häufiges Takten der Wärmepumpe, was die Lebensdauer erhöht.
Regelmäßige Wartung: Eine Wärmepumpe sollte einmal jährlich durch einen Fachbetrieb überprüft werden. Solar Hamm bietet als Meisterbetrieb aus Hamm einen Wartungsservice an.
Förderung für Wärmepumpen im Altbau
Der Einbau einer Wärmepumpe im Bestandsgebäude wird staatlich gefördert. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) über die KfW ermöglicht Zuschüsse von bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten, wenn bestimmte Effizienzkriterien und ein Sanierungsfahrplan (iSFP) vorliegen.
Grundsätzlich gilt: - Basisförderung: 30 Prozent - Klimageschwindigkeitsbonus (bei Austausch einer funktionierenden Gas- oder Ölheizung): zusätzlich 20 Prozent - Einkommensbonus für selbst nutzende Eigentümer: zusätzlich 30 Prozent
Wichtig: Der hydraulische Abgleich muss bei geförderten Anlagen von einem Fachbetrieb durchgeführt und dokumentiert werden. Solar Hamm übernimmt die vollständige Förderantragstellung für Sie.
Für Haushalte in Hamm und der Region Westfalen ist zudem zu prüfen, ob regionale Förderprogramme der Stadtwerke Hamm oder des Landes NRW zusätzliche Mittel bereitstellen.
Häufige Fragen
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