Ratgeber Photovoltaik

Ost-West- vs. Süd-Anlage:
Welche Ausrichtung lohnt sich?

Südausrichtung gilt seit Jahrzehnten als das Maß aller Dinge bei Photovoltaik. Doch wer heute eine PV-Anlage plant, stellt schnell fest: Die Rechnung geht nicht mehr automatisch auf. Eigenverbrauch, Einspeisevergütung und Dachgeometrie haben sich verändert. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wann die Ost-West-Ausrichtung die bessere Wahl ist, wann die Südanlage punktet und worauf es bei Speicher und Technik ankommt.

Aktualisiert: 06. Juni 2026 · Solar Hamm GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Ost-West-Anlage erzielt 80 bis 90 Prozent des Jahresertrags einer vergleichbaren Südanlage, steigert aber den Eigenverbrauch ohne Speicher von rund 25-35 auf 35-45 Prozent.
  • Die Südanlage konzentriert ihre Produktion auf die Mittagsstunden zwischen 11 und 15 Uhr, genau dann, wenn in vielen Haushalten niemand zu Hause ist.
  • Bei einer Einspeisevergütung von rund 7,78 Cent pro kWh und einem Strompreis von rund 35 Cent ist jede selbst verbrauchte Kilowattstunde etwa viereinhalb Mal so viel wert wie eine eingespeiste.
  • Auf Flachdächern lassen sich mit Ost-West-Aufständerung bis zu 40 bis 50 Prozent mehr Module installieren als mit reiner Südausrichtung.
  • Wer einspeisen statt selbst verbrauchen will, fährt mit der Südausrichtung besser. Wer auf hohen Eigenverbrauch und Unabhängigkeit setzt, profitiert meist von Ost-West.

Ertragsprofil im Tagesverlauf: der entscheidende Unterschied

Der wichtigste Unterschied zwischen beiden Ausrichtungen liegt nicht im Jahresertrag, sondern im Zeitpunkt der Stromerzeugung.

Eine Südanlage liefert eine hohe, steile Ertragskurve. Der Großteil der Energie entsteht zwischen 11 und 15 Uhr, wenn die Sonne am höchsten steht. Das Problem: Zu dieser Zeit sind viele Haushalte leer. Der erzeugte Strom fließt ins Netz, wird aber nur mit der gesetzlichen Einspeisevergütung vergütet.

Eine Ost-West-Anlage erzeugt eine breitere, flachere Kurve über den gesamten Tag. Die Ost-Module beginnen früh am Morgen mit der Produktion und versorgen den Haushalt beim Frühstück und Arbeitsbeginn. Die West-Module übernehmen ab dem Nachmittag und liefern Strom bis in die frühen Abendstunden, wenn der Energiebedarf für Kochen, Waschen und Freizeit am höchsten ist. Das Ertragsprofil passt damit deutlich besser zum typischen Verbrauchsverhalten eines Haushalts.

Jahresertrag im Vergleich: Wie viel weniger produziert Ost-West wirklich?

Die Ost-West-Ausrichtung erzielt je nach Dachneigung 80 bis 90 Prozent des Jahresertrags einer Südanlage. Bei einer Neigung von 30 Grad sind es rund 80 bis 85 Prozent, bei flacheren Dächern mit 10 bis 15 Grad Neigung steigt der Wert auf 85 bis 90 Prozent.

Konkret: Eine 10-kWp-Anlage in Südausrichtung erzeugt in Deutschland (Mitte) rund 9.500 bis 10.000 kWh pro Jahr. Eine vergleichbare Ost-West-Anlage kommt auf etwa 8.500 bis 9.000 kWh. Der Unterschied beträgt also 500 bis 1.500 kWh jährlich.

Dieser Ertragsverlust klingt nach einem klaren Nachteil. Entscheidend ist jedoch, was mit dem erzeugten Strom geschieht: Eigenverbrauch oder Einspeisung?

Ein Hinweis zur Planung: Um denselben Gesamtjahresertrag einer 10-kWp-Südanlage mit einer Ost-West-Anlage zu erreichen, muss diese in der Regel um etwa 10 bis 15 Prozent größer dimensioniert werden. Auf Flachdächern ist das oft problemlos möglich, weil Ost-West die Fläche effizienter ausnutzt.

Eigenverbrauch: Warum Ost-West oft wirtschaftlicher ist

Die Wirtschaftlichkeit einer modernen PV-Anlage hängt weniger vom Gesamtertrag als vom Eigenverbrauchsanteil ab. Jede selbst genutzte Kilowattstunde erspart den Zukauf von teurem Netzstrom (rund 35 Cent), während eine eingespeiste Kilowattstunde aktuell nur mit rund 7,78 Cent (Stand 2026, Teileinspeisung unter 10 kWp) vergütet wird. Das Verhältnis beträgt also etwa 4,5 zu 1.

Ohne Speicher erreicht eine Südanlage eine Eigenverbrauchsquote von rund 25 bis 35 Prozent. Eine Ost-West-Anlage steigert diese Quote auf 35 bis 45 Prozent, weil die Stromerzeugung besser mit dem Verbrauchsprofil übereinstimmt.

Das Ergebnis: Die Ost-West-Anlage verdient trotz 10 bis 20 Prozent weniger Jahresertrag in vielen Fällen mehr Geld, weil der höhere Eigenverbrauch den Ertragsverlust bei der Einspeisung mehr als ausgleicht. Besonders für Haushalte mit Homeoffice, Wärmepumpe oder Wallbox, bei denen über den ganzen Tag Strom verbraucht wird, ist Ost-West oft die klügere Wahl.

Speicher: Wie beide Ausrichtungen damit umgehen

Ein Batteriespeicher erhöht bei beiden Ausrichtungen die Eigenverbrauchsquote deutlich. Doch es gibt einen praktischen Unterschied im Zusammenspiel.

Bei einer Südanlage muss der Speicher groß genug sein, um die massive Mittagsspitze aufzunehmen. Er wird einmal täglich stark be- und wieder entladen. Diese Vollzyklen beanspruchen die Batteriezellen stärker.

Bei einer Ost-West-Anlage kann der Speicher oft kleiner dimensioniert werden. Er lädt sich morgens über die Ostseite sanft auf, deckt die Mittagsstunden teilweise ab, und die Westseite verlängert den Ertrag bis in den Abend. Der Speicher wird gleichmäßiger be- und entladen, was die Lebensdauer des Systems positiv beeinflussen kann.

Mit einem Batteriespeicher erreichen Ost-West-Anlagen Eigenverbrauchsquoten von 70 bis 80 Prozent. Für Haushalte, die eine hohe Autarkie anstreben, ist die Kombination aus Ost-West-Ausrichtung und einem mittelgroßen Speicher oft effizienter als eine große Südanlage mit überdimensioniertem Speicher.

Flachdach und Schrägdach: Welche Ausrichtung wo sinnvoll ist

Bei Schrägdächern ist die Ausrichtung durch die Dachgeometrie des Hauses meist vorgegeben. Wer ein Satteldach mit Giebel von Nord nach Süd hat, kann beide Dachseiten mit Modulen belegen und erhält automatisch eine Ost-West-Konfiguration. Wer ein Süddach hat, baut idealerweise eine Südanlage. Zwischenlösungen wie Süd-Ost oder Süd-West sind ebenfalls gut und verlieren gegenüber reiner Südausrichtung nur rund 5 bis 10 Prozent Ertrag.

Bei Flachdächern steht die Ausrichtung frei zur Wahl. Hier zeigt Ost-West einen weiteren praktischen Vorteil: Die Module werden Rücken an Rücken aufgestellt und verschatten sich nicht gegenseitig. Auf 100 Quadratmetern Flachdachfläche lassen sich so 15 bis 18 kWp in Ost-West-Konfiguration installieren, während Südaufständerung wegen der notwendigen Abstände zwischen den Modulreihen nur 8 bis 10 kWp ermöglicht. Das bedeutet bis zu doppelte Leistung auf derselben Fläche.

Ein technischer Hinweis: Für eine Ost-West-Anlage ist ein Wechselrichter mit mindestens zwei unabhängigen MPP-Trackern erforderlich, damit beide Dachseiten optimal und unabhängig voneinander gesteuert werden können. Ost- und West-Strang sollten jeweils möglichst gleich viele Module umfassen.

Wann bleibt die Südausrichtung die bessere Wahl?

Die Südanlage ist nicht prinzipiell schlechter. Es gibt Situationen, in denen sie klar die bessere Entscheidung ist:

Volleinspeisung ohne Eigenverbrauch: Wer seine Anlage ausschließlich für die Einspeisung betreibt, etwa bei einem vermieteten Objekt oder einer Zweitwohnung ohne nennenswerten Eigenverbrauch, holt mit der Südausrichtung den höchsten Jahresertrag aus der installierten Leistung heraus.

Einzelne Südseite verfügbar: Wenn die Dachgeometrie nur eine Südseite bietet und keine Möglichkeit besteht, Ost- und Westseite zu belegen, ist Süd natürlich die einzige sinnvolle Wahl.

Begrenztes Budget und kleine Anlage: Bei sehr kleinen Anlagen, bei denen ohnehin wenig überschüssige Mittagsleistung anfällt, ist der Eigenverbrauchsvorteil von Ost-West geringer. Hier kann Süd mit einer einfacheren Systemkonfiguration punkten.

Unsere Empfehlung für Hamm und die Region

In Hamm und dem westfälischen Umland gibt es alle Dachtypen: Satteldächer mit Ost-West-Ausrichtung, Süddächer in Neubausiedlungen und Flachdächer bei Gewerbeobjekten. Die Entscheidung für die richtige Ausrichtung ist immer eine individuelle Berechnung, kein pauschales Urteil.

Als Meisterbetrieb analysieren wir Ihr Dach, Ihr Verbrauchsprofil und Ihre Ziele konkret. Wir simulieren, wie sich Ost-West oder Süd auf Ihren Eigenverbrauch, Ihre Einsparungen und Ihre Amortisationszeit auswirken. Dabei berücksichtigen wir vorhandene oder geplante Verbraucher wie Wärmepumpe, Wallbox und Batteriespeicher.

Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Aber nach einer ehrlichen Berechnung wissen Sie genau, was sich für Ihr Dach lohnt.

Häufige Fragen

Antworten auf einen Blick.

Ja, in den meisten Fällen sehr gut. Eine Ost-West-Anlage erzielt 80 bis 90 Prozent des Jahresertrags einer Südanlage, steigert aber den Eigenverbrauch deutlich. Wer tagsüber zu Hause ist oder eine Wärmepumpe oder Wallbox betreibt, kann mit Ost-West oft wirtschaftlich besser abschneiden als mit einer Südanlage.
Eine Ost-West-Anlage erzeugt je nach Dachneigung rund 80 bis 90 Prozent des Jahresertrags einer gleichgroßen Südanlage. Bei 30 Grad Neigung sind es eher 80 bis 85 Prozent, bei flacheren Dächern zwischen 10 und 15 Grad Neigung bis zu 90 Prozent. Der Unterschied ist oft kleiner als erwartet.
Ohne Batteriespeicher liegt die Eigenverbrauchsquote bei einer Ost-West-Anlage typischerweise bei 35 bis 45 Prozent. Eine vergleichbare Südanlage erreicht ohne Speicher nur rund 25 bis 35 Prozent, weil sie den größten Teil der Energie mittags erzeugt, wenn der Haushalt oft leer ist.
Nein, eher im Gegenteil. Bei einer Ost-West-Anlage kann der Speicher oft kleiner dimensioniert werden, weil die Stromerzeugung gleichmäßiger über den Tag verteilt ist. Der Speicher wird sanfter be- und entladen als bei einer Südanlage, die eine starke Mittagsspitze aufnehmen muss.
Für eine Ost-West-Anlage benötigen Sie einen Wechselrichter mit mindestens zwei unabhängigen MPP-Trackern (Maximum Power Point Tracking). Nur so können Ost- und West-Strang separat und optimal geregelt werden. Beide Stränge sollten möglichst gleich viele Module umfassen.
Flachdächer sind sogar der klassische Anwendungsfall für Ost-West. Die Module werden Rücken an Rücken aufgestellt, verschatten sich nicht gegenseitig und nutzen die verfügbare Fläche deutlich effizienter. Auf 100 Quadratmetern Flachdach passen in Ost-West-Konfiguration bis zu doppelt so viele Module wie bei einer Südaufständerung mit notwendigen Zeilenabständen.
Eine Südanlage ist sinnvoll, wenn Sie ausschließlich oder überwiegend einspeisen möchten, etwa bei vermieteten Objekten ohne Eigenverbrauch. Auch wenn Ihr Dach nur eine Südseite bietet, ist die Entscheidung klar. Bei kleinen Anlagen ohne Speicher und geringem Tagesverbrauch kann Süd ebenfalls die einfachere und sinnvolle Lösung sein.
Ja, sehr häufig. Wärmepumpen laufen idealerweise tagsüber und profitieren von der langen Erzeugungsdauer einer Ost-West-Anlage. Wallboxen für Elektroautos, die morgens oder abends geladen werden, passen ebenfalls gut zum Ost-West-Profil. In Kombination steigt die Eigenverbrauchsquote weiter, was die Wirtschaftlichkeit nochmals verbessert.
Ja. Der Vorteil von Ost-West liegt im Produktionsprofil über den Tag, nicht in der regionalen Sonneneinstrahlung. In Hamm und der Westfalen-Region gelten dieselben Grundprinzipien wie deutschlandweit. Entscheidend ist Ihr individuelles Dach, Ihr Verbrauchsprofil und Ihre Ziele. Wir berechnen das gerne konkret für Sie.

Welche Ausrichtung lohnt sich für Ihr Dach?

Wir analysieren Ihr Dach, Ihr Verbrauchsprofil und Ihre Ziele und berechnen ehrlich, ob Ost-West oder Süd für Sie wirtschaftlicher ist. Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns: Solar Hamm GmbH, Gabelsbergerstraße 8, 59069 Hamm, Tel. 02385 7783006.